Wie ich gelernt habe meine Hunde alleine zu lassen

Veröffentlicht am 8. Dezember 2025 um 21:00

Diesen Beitrag widme ich allen den, die sich von sozialen Medien haben verunsichern lassen.

Auf den sozialen Medien wird in der Hunde-Bubble häufig darüber gesprochen, wie man seinen Hund an das Alleinsein gewöhnt. Wie man ihn vorher, nachher, währenddessen beschäftigt. Wie man ihn versteht, was er fühlt, wie er denkt und was er kontrolliert. Wir üben, wir trainieren, wir prüfen, wir verzweifeln. Haben wir an alles gedacht? Wie viel Zeit ist vergangen? Geht es ihnen zu Hause gut? Ich schaue mal nach. Ich sage lieber ab. 

Wo auf den sozialen Medien steht eigentlich wie wir uns vorher, nachher und währenddessen beschäftigen? Nicht in der Hunde-Bubble. Denn da geht es nur darum unseren menschlichen Kontrollzwang so weit zu befriedigen, dass wir vollumfänglich den Durchblick haben. Wir wissen was sie tun. Wo sie es tun, wieso sie es tun und wann sie es tun. Wir wissen aber nicht was wir tun sollen, wenn sie mal nicht da sind. Denn unsere Gedanken drehen sich durchgehend um sie.

Als Nano mein Zwergpudel vor fünf Jahren bei mir eingezogen ist, sagte mir das Internet schon, dass es Probleme im Alleinsein geben wird. Damals waren es keine Reels, sondern noch lange YouTube-Videos und Blogs sowie geschriebene Internetbeiträge. Ich habe darüber hinweg gesehen. Was soll schon schief gehen. Hier eine Minute, da dann fünf und später dann 6 Stunden. Ich habe für eine Unterkunft gesorgt während ich auf der Arbeit bin und anschließend dafür gekämpft halbtags von zu Hause arbeiten zu können. Alles führte zu nichts. Der Hund konnte nicht alleine bleiben. Gejault hat er vor der Tür, ist rumgerannt, hat sich erschreckt. Nachbarn schrieben mir, mein Handy vibrierte sobald es Bewegungen zu Hause gab und ich wollte ihn nicht mehr alleine lassen. Dann begann ich mit meinen ersten Videos auf den sozialen Medien und landete in der Hunde-Bubble. Dieses von Perfektionismus besessene Loch.

Ich war drin. Tief. Erst bei den, die sich bei den Hunden als stärkeres Glied beweisen müssen und bei den der Hund immer hinten laufen muss. Dann bei den, die ihren Hunden kleinschrittig beibringen vor dem Gassi aus dem Auto zu springen, damit sie kein Trauma in der linken Hirnhälfte erleiden. Was ich dabei völlig vergessen habe. Keiner dieser Hunde war Nano oder Barbara. Keiner dieser Menschen war ich. Keiner dieser Hunde-Mensch-Konstellationen lebte unser leben. Ich verschwand also. Ich habe die Sozialen Netzwerke gelöscht. Weder konsumiert, noch produziert und mir echte Gedanken über mein Leben mit meinen Hunden gemacht. Schnell habe ich festgestellt, dass ich zu sehr Wert darauf gelegt habe, was andere von meinen Umgang mit Hunden und dem Verhalten meiner Hunde halten. Jeder Senf durfte mittelscharf sein, aber nicht scharf.

Egal was meine Hunde taten, ich beobachtete es. Ich hinterfragte es, ich analysierte es. Ich perfektionierte es. Sie wurden Opfer meines Anspruches es allen recht zu machen. Vor Allem wurden sie aber Opfer meiner fehlenden Selbstachtung. Ich achtete auf alles und jeden, aber nie auf mich. Was wäre, wenn ich ganz alleine auf einer Insel landen würde? Als ich mich das gefragt habe, antwortete ich mir ehrlich: Ich würde mein Handy suchen und panisch werden, wenn es nicht da wäre. Ich habe bei allem Trubel, bei aller Pandemie, bei aller Arbeit und bei allen Sozialen Netzwerken mich selbst völlig vergessen. Wie beschäftige ich mich eigentlich, wenn ich die Hunde alleine lasse? Lasse ich sie jemals wirklich in Ruhe, wenn wir zusammen zu Hause sind oder denke ich schon wieder nach was die nächste Strategie von Nano sein könnte? Wahrscheinlich habe ich das nächste Problem von Barbara schon identifiziert, bevor nur das erste Anzeichen darauf sichtbar ist. 

Was genau mache ich aber eigentlich? Ich habe endlich die richtigen Fragen gestellt. Ich kann immer und zu jeder Zeit auf meine Hunde aufpassen. Unabhängig von Versicherung, von Training und von Arbeit. Ich bin emotional reif genug die Hunde in bessere Hände geben zu können, wenn es Hart auf Hart käme.

Nicht das was ich mache sorgt für meine Hunde. Sondern der, der ich bin sorgt für sie. Der, der jeden Berg versetzen würde, um meinen Hunden ein gutes Leben zu ermöglichen. Ich brauche mir über nichts Sorgen zu machen, außer um mich. Denn ich war der, der nicht alleine leben konnte.

Also fing ich an. Ich spielte Spiele, ich trieb Sport, ich schrieb. Ich schreibe. Ich fand, was mir Spaß macht. Nur mir. Zuerst zu Hause. Dann schrieb ich draußen. "Bring dich draußen auf andere Gedanken" dachte ich. Ich lief solange, bis ich nur noch an meine Lunge denken konnte, die gerade an ihre Grenzen kommt. Ich lernte mich selbst zu beschäftigen. Ich lerne das zu tun, was mir Spaß macht und sehe wie viel Freude meine Hunde daran haben ein Teil dieses Spaßes zu sein. Ich lernte Selbstbewusstsein und Selbstfürsorge. Vor allem lernte ich aber, dass Kontrolle keines von beiden ist. 

 

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Kommentare

Sabsi
Vor einem Monat

Wunderbar reflektiert und geschrieben! Das triffts ziemlich ins Schwarze...